Blinder Entwickler begeistert mit barrierefreien Apps

 

Eigentlich liegt es auf der Hand und dennoch scheint es utopisch. Wer, wenn nicht ein Blinder, könnte am besten Apps und Tools für Sehbehinderte entwickeln und programmieren? Geht nicht? Gibt’s nicht. Dr. Jan Blüher ist der Beweis, dass fast alles möglich ist.

Dr. Jan Blüher

1997 verlor der Dresdner sein Augenlicht. Kurze Zeit später hat er seine Passion in der Kreation von Apps gefunden, die blinde Menschen begeistern. Er arbeitet mit der VoiceOver-Technik von Apple, die dafür sorgt, dass Sehbehinderte sowohl iPad als auch iPhone problemlos und vor allem barrierefrei bedienen können. Dank eines so genannten Braille-Schrift-Displays kann der 37-Jährige Mails und Websites lesen, aber vor allem auch programmieren.

2011 gründete der promovierte Informatiker die Firma „VisorApps“. Erfolgreich ist er bisher vor allem mit der App „Colorvisor“. Dahinter verbirgt sich eine Art Farbscanner, der Farbwerte liest und den Nutzern sagt, welche Farbe zum Beispiel eine Blume oder auch ein Kleidungsstück haben. Sie fungiert quasi als „Auge“ für Blinde. Das hilft nicht nur bei der Wahl der Kleidung, sondern macht die Welt für die Betroffenen auch insgesamt vielseitiger erlebbar.

Seine neueste Idee ist eine kostenlose App, mit der Sehbehinderte auf das Onlineangebot einer Blindenbücherei per Handy oder Tablet zugreifen können. Alles funktioniert per Sprachsteuerung – die Bestellung, aber auch das Stöbern in Katalogen. Neben den Büchern in Braille-Schrift sind vor allem Hörbücher bei Blinden sehr beliebt. „Mit der neuen App ist der Zugriff auf unseren Bestand jetzt deutlich komfortabler geworden, denn ‚Bilbu‘ ist vollständig per VoiceOver bedienbar“, freut sich Elke Dittmer, Geschäftsführerin der Norddeutschen Blindenbücherei. Wer die Bilbu-App laden möchte, kann dies einfach über den App Store tun. Weitere Informationen sind unter www.blindenbuecherei.de erhältlich.

Immer noch gibt es laut Blüher auch in der digitalen Welt viel zu viele Barrieren für Sehbehinderte. Er weiß genau, worauf es ankommt. „Meine Devise ist ‚Design for all“, sagt er. Sein Ziel sieht er darin, wichtige Informationen und Hilfen schnell zugänglich und nutzbar zu machen und blinden Menschen so das Leben mit seinen Apps ein wenig zu erleichtern. Das hat er mit seinen bisherigen Entwicklungen auf jeden Fall schon erreicht.

 

Ein Blogbeitrag von Ute Korinth
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Ute Korinth